Fes und die Guides

Fes und Guides

Achtung, dieser Artikel hat Überlänge da Fes und die Guides sich leider nicht in zwei Sätzen abhandeln lässt.

Hassan

Wer kennt nicht die unzähligen Berichte von unseriösen Stadtführern.

In Marroko bekommen die offiziellen Guides von den Städten eine Lizenz und einen Ausweis, den sie sichtbar um den Hals tragen müssen. Diese Guides kann man in den Hotels oder in der Touristeninformation bestellen. Das Problem ist, das man dafür meist in die Städte/Medinas rein gehen und dort ohne sich zu verlaufen auch ankommen muss. Inzwischen kann man auch Führungen über das Internet buchen, aber auch da sind die meisten nicht seriös.

Da die Medina in Fes die größte der Welt sein soll, war für uns klar, das wir auf jeden Fall einen Guide brauchen werden.

Wir hatten uns bereits in Deutschland vorgenommen, einem Tourifänger bewusst ins Netz zu gehen und uns dem ganzen mal auszusetzen.

Als uns dann ein solcher Guide und dann auch noch deutschsprachig angeboten wurde, war das perfekt.

Am Vorabend hatten wir nochmal im Internet die Preise für diese Art von Guides gegoogelt, eine Liste gemacht mit Dingen die wir uns unbedingt in Fes kaufen wollten und auch dort so gut es ging die Preisspannen recherchiert.

Wir hatten einen groben Plan von dem was uns erwarten würde und freuten uns auf das Erlebnis.

Das einzige was uns etwas unsicher machte, war bei Park4Night eine Warnung vor einem Hassan, der Touristen abzockt und agressiv angehen würde. Aber in einer so großen Stadt wird es wohl mehr wie einen Hassan gegen.

Hassan stand morgens pünktlich beim Wohnmobil und wollte tatsächlich sogar weniger Geld für die Tour haben, wie wir uns überlegt hatten. Vorsorglich hatten wir auch nur soviel Geld eingesteckt, wie wir im Höchstfall für den gesamten Tag bereit waren auszugeben.

Zuerst ging es in die alte Koranschule Medersa Attarine, die wir für 40 DH besichtigt haben.

Weiter ging es zum Grabmal von Zaouia Moulay Idriss II, das leider wegen Renovierungsarbeiten nicht besucht werden konnte. Aber auch draußen war es sehr eindrucksvoll. Interessant fanden wir zudem, das die ganze Stadt mit Eseln betreten werden konnte, nur im Bereich des Grabmals gab es Querbalken, die verhindern, das Esel in den Bereich gelangen konnten.

Dann zur großen Bibliothek, die auch nicht betreten werden konnte. Dann zu der wohl ersten Bildungseinrichtung der Welt aus dem Jahr 859, der University of al-Qarawiyyin.

Wir kamen am Bab Bou Jeloud, dem blauen Stadttor vorbei, das 1939 von den Franzosen gebaut worden ist. Und natürlich am Königspalast Dar El Makhzen, den der heutige König als Sommerresisdenz benutzt. All diese Punkte wurde uns im Eilschritt präsentiert.

Und wir bekamen unser ganz persönliches Highlight, das Gerberviertel von Fes zu sehen.

Einzig den Aussichtspunkt Borj Sud hat er uns vorenthalten, von dem hätte man einen tollen Blick auf die gesammte Medina gehabt, aber wir waren ohnehin völlig erschöpft und haben uns stattdessen vom Parkplatz aus lieber den beleuchteten Aussichtspunkt angeschaut. Abgesehen davon waren wir schon von der Großbaustelle namens Medina mehr als bedient.

Soweit zur Tour. Soweit wir wissen, haben wir tatsächlich alles zu sehen bekommen, was es zu sehen gab. Natürlich sind wir nicht nur die oben genannten Sehenswürdigkeiten abgelaufen, sondern wurden, wie erwartet auch in diverse Geschäfte geschleppt, während er uns für die Sehenswürdigkeiten kaum Zeit lies, bekamen wir in den Geschäften alle Zeit der Welt.

Zuerst ging es in ein Spa/Hammam dem Royal Medina Spa. Dort bekamen wir eine englischsprachige Führung und durften Fotos machen. Für Abends haben wir einen Termin für uns beide vereinbart. Das war zwar eine ungeplante Ausgabe, aber hat sich 100% gelohnt. Später dazu mehr.

Als nächstes wollte er uns Schmuck an drehen, aber das habe ich ihm ziemlich schnell ausgeredet. Bis auf meine Halskette trage ich absolut keinen Schmuck und werde das auch nicht ändern.

Beim Kosmetikladen, wo es das berühmte Arganmandelöl zu kaufen gab, hat er uns abgestellt und wir sollten auf einen deutschsprachigen Berater warten und dann natürlich kräftig shoppen. Nach 10 Minuten warten, wurde uns das zu blöd, einerseits ist Kosmetik eh nicht so meins, zudem empfand ich den Geruch der ganzen Gewürze, Kräuter, Flüssigkeiten sehr erdrückend und wir verließen den Laden. Das war das erste Mal wo wir mit bekamen, das Hassans Laune kippte. 5 Zigaretten später wurde seine Laune wieder besser.

Danach ging es zum Teppichhändler. Jetzt könnten wir sagen, das wir uns wirklich etwas andrehen lassen haben, aber auch im Nachhinein sind wir immer noch sehr glücklich mit unserem Kauf.

Frank wollte immer einen Teppich für das Wohnmobil haben und ich war überhaupt kein Freund von dem Gedanken. Jetzt saßen wir bei unserem ersten marokkanischen Tee und ließen uns die Teppiche vorführen. Aus Kamelhaar, Agavenseide, einseitig, zweiseitig, arabische Arten, Berber Art, … . Wir konnten alle anfassen, bewunderten den Feuertest und dann wurden riesige Teppiche heran geschleppt, die wir natürlich kaufen sollten.

Nachdem wir gezeigt hatten wie klein der Teppich für das Wohnmobil sein dürfte, kamen dann auch welche in unserer Größe. Hassan wurde immer genervter, je kleiner die Teppiche wurden. Und verpieselte sich dann erst einmal aus dem Laden. Schlussendlich hatten wir zwei Teppiche zur Auswahl. Einen kleinen blauen aus Agavenseide und einen orangefarbigen Berberteppich, der unperfekt und wirr im Gegensatz zu allen anderen Teppichen war.

Als dann der Preis genannt wurde, hatte ich zwischendurch überhaupt keine Gesichtsfarbe mehr, das war bei weitem nicht annährend eine Preisklasse die wir uns hätten vorstellen können. Also standen wir auf und verabschiedeten wir uns.

Der Teppichhändler meinte daraufhin, das wir sagen sollten, was wir bereit wären für den Teppich zu bezahlen und nachdem wir uns daraufhin beratschlagten, was wir im Höchstfall bereit waren auszugeben, entschieden wir uns zu gehen, da wir den Händler nicht mit unserer Summe beleidigen wollten.

Nach über 40 Minuten verhandeln, Hassan war inzwischen zurück und mega genervt, einigten wir uns auf 110% unseres vorabgeplanten Preises. Klar war das kein Ikeapreis, aber eben auch keine Ikeaqualität.

Wir waren sehr glücklich, der Teppichhändler nicht ganz, ich glaube wir haben den auch nur zu dem Preis bekommen, weil wir die Arbeit wertgeschätzt haben und hin und weg waren und definitiv auch ohne gegangen wären.

Hassan hingegen war stinksauer. Und nachdem ihm der Handler gesagt hat, das er dieses Mal keine Provision bekommen würde, wurde er schon etwas fieser. Versuchte mich mit meinem Gewicht zu provozieren und zeigte uns ständig abgetrennte Kamelköpfe.

Als nächster Wunsch stand ein Bekleidungsgeschäft auf unserer Wunschliste. Nachdem ich mir eine hochwertige Djellaba und Frank sich zwei gute Leinen Hemden gekauft hatten und ihm der Verkäufer Geld zugesteckt hatte, war Hassan wieder etwas versöhnlicher. Wir schauten dann noch dem Weber ein wenig bei seiner Arbeit zu und dann ging es weiter.

Man merkte, das seine ganze Hoffnung auf dem Gerberviertel lag, auf das wir uns so sehr freuten.

Er schwärmte uns von den tollen Lederjacken und Taschen vor und bekam sich gar nicht mehr ein, Loblieder auf das Handwerk zu singen.

Hassan hatte es jetzt richtig eilig, denn jetzt witterte er eine richtig fette Provision. Ungewollt brachte er uns zu einem Geldautomaten, damit wir nochmal Geld abheben, um jetzt mal richtig zu shoppen zu können. Was wir natürlich nicht taten.

Von dem Balkon eines Lederwaren Geschäfts hatten wir einen tollen Blick auf die Medina und konnten den Gerbern bei der Arbeit zusehen. Hassan übergab uns an einen deutschsprachigen Herrn, der uns bis ins kleinste Detail alle Abläufe des Gerbens erklärte und uns in aller Ruhe unsere Fragen beantwortete.

Fast eine Stunde lang schauten wir dem Treiben im Gerberviertel zu und war begeistert. Hassan war hingegen nicht so begeistert und machte sich zwischenzeitlich aus dem Staub.

Später gab es natürlich noch eine Führung durch den Laden, aber ohne auch nur die geringsten Anstalten uns in Richtung Verkaufsgespräch zu bringen.

Als wir später nur mit einem paar Schlappen und einer kleinen Bauchtasche aus dem Laden kamen, war Hassan richtig böse. Die Provision, die ihm zugesteckt wurde, schien überhaupt nicht nach Hassans Geschmack zu sein.

Als wir ihm klar gemacht hatten, das wir jetzt Feierabend machen wollen würden, wurde er noch einmal zuckersüß und wollte, wie bereits morgens abgesprochen mit uns essen gehen. Natürlich auf unsere Kosten, aber das war abgesprochen und auch Ok. Also ab ins Taxi und das in das hochgelobte „Restaurant“.

Vergleichbar war es mit einer der angeranzten Kneipen im alten St. Pauli. Ob diese Spelunke jemals eine Frau von innen gesehen hat, bezweifeln wir.

Dementsprechend waren wir den Blicken der Herren ausgesetzt.

Es gab zwei super einfache fade Tajinen.

Und dann legte Hassan auf einmal richtig los. Er wurde beleidigend, machte Witze unterhalb der Gürtelline und teilte uns mit, was er von Frauen allgemein und vor allem von Europäerinnen halten würde. Wir waren sprachlos und wollten uns verabschieden.

Er bestand noch mit einem Grinsen darauf, das wir ihm den teuersten Wein im Laden kaufen. Aufgrund der absurden Situation in dem Laden, bezahlten wir ihm diesen und er brachte uns vor die Tür. Umarmte und herzte uns, als wenn wir die besten Freunde wären und bat uns, falls uns Männer in Fes auf Motorrädern ansprechen würden, das wir denen nicht sagen sollten, das er uns zum Spa und Bekleidungsgeschäft gebracht hätte.

Er lies sich von uns noch für unsere Homepage fotografieren und bestand darauf, das wir beide auch unbedingt mit auf dem Foto sein sollten, wenn wir anderen von seiner tollen Tour berichten. So habt ihr alle die Möglichkeit den guten Hassan zu bewundern.

Später haben wir tatsächlich noch mehr Warnungen vor Hassan im Internet gefunden. Wir hatten wirklich Glück gehabt, das er bei uns nur ein Astloch war und nicht aggressiv wie bei anderen Campern.

 

Mohamad

Abends wurden wir pünktlich vom Wohnmobil abgeholt und von Mohamad zu unserem Termin im Hammam gebracht. Auch wenn er nur französisch sprach und wir nur Teile davon verstanden haben, haben wir von ihm noch eine tolle Führung durch die Stadt mit vielen Erklärungen bekommen. Und auf dem Rückweg ist er extra nochmal einen Umweg gelaufen, um uns besonders schöne Wandbilder in der Medina zu zeigen, nachdem wir auf dem Hinweg schon einige Bilder fotografiert hatten.

Sollten wir jemals wieder nach Fes fahren, dann werden wir versuchen Mohamad als Guide für uns zu gewinnen. In der kurzen Zeit mit ihm haben wir mehr über Fes, die Medina, die Bewohner und Geschichte erfahren, wie die vielen Stunden mit Hassan.

 

 

Hamam – Royal Medina Spa

Wir haben an diesem Abend unseren ersten Hammam besucht und waren einerseits etwas verwirrt, da wir uns das etwas anders vorgestellt hatten, aber nach kurzer Skepsis waren wir begeistert.

Wir wurden gewaschen und eingeseift. Es gab eine Ganzkörper Lehmpackung, die Haut wurde mit einem Peeling bearbeitet. Anschließend wurden wir mit Arganmandelöl eingeölt, nach eine Ruhephase wieder eingeseift und abgewaschen.

Dann ging es in einen Ruheraum und dann für 45 Minuten auf eine Massagebank. Anschließend gab es noch einen Minztee und Mandelgebäck.

 

 

Medina von Fes

Im Gegensatz zu sonst haben wir nicht das Bedürfnis Euch mehr von der berühmten Medina in Fes zu erzählen. Sie ist einfach nur eine riesen große Baustelle und nach Chefchouen eine große Enttäuschung.

Warum sie UNESCO Weltkulturerbe ist, erschließt sich uns nicht wirklich. Vielleicht wird sie ja irgendwann, wenn die von der UNESCO und den Franzosen finanzierten Projekte fertig sind, ansehnlicher. Wer weiß.

Die Stadt selbst ist eine saubere, strahlende und schöne Metropole mit vielen schönen Gebäuden, tollen Parks und einer imposanten Friedhofsanlage. Leider haben wir das erst bei der Fahrt zum nächsten Ziel gesehen, hätten wir das vorher gewusst, hätten wir auch eine Besichtigungstour durch die Stadt gemacht.

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