Ribbeck, der Ort

Herr von Ribbeck

Es gibt wohl kaum ein deutsches Kind, das in der Schule nicht das Gedicht „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“ von Fontaine auswendig lernen musste.
Als wir auf unsere Streiftour durch den Osten an einen Wegweiser auf die Stadt Ribbeck vorbei kamen, konnten wir gar nicht anders, als das Städtchen zu besuchen.
Beim lesen des Schildes schoss uns das Gedicht in den Kopf und wir spulten es ab, als wenn wir es grade erst gelernt hätten, dabei ist es bei mir schon über 30 Jahre her und bei Frank schon über 50 Jahre.

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland von Theodor Fontane LINK zum Gedicht

 

Der Ort Ribbeck

Wir parkten auf dem riesigen Besucherparkplatz und gingen in den verhältnismäßig kleinen Ort. Auch hier hatte Corona seine Spuren hinterlassen, das Museum, das Restaurant, die Bäckerei waren leider geschlossen. Gelohnt hat sich der Besuch trotzdem.

In Ribbeck gibt es nicht nur den berühmten Birnbaum zu bewundern, sondern auch das ehemalige Herrenhaus der Familie von Ribbeck. Das Schloss beherbergt ein Museum, ein Hotel und ein Restaurant. Hinter dem Schloss befindet sich ein Birnengarten, der an die Wiedervereinigung Deutschlands erinnern soll. Ministerpräsidenten aller 16 Bundesländer reisten nach Ribbeck um dort für das jeweilige Bundesland einen Birnenbaum zu pflanzen.
Direkt gegenüber befindet sich eine kleine Kirche, in der der Stamm des originalen Birnenbaumes aufbewahrt wird. Im Pfarrgarten befinden sich weitere Birnenbäume, in dem man im Herbst von über 20 verschieden Birnensorten kosten kann. Der Garten ist sehr liebevoll angelegt und es gibt zudem reichlich biblische Geschichten zu entdecken.
In der Alten Schule befindet sich ein historisches Klassenzimmer und ein kleines Café.
In dem kleinen Café Theodor haben wir richtig leckeren Birnenkuchen gegessen. Besonders in den Schokokuchen mit Birne haben wir uns verliebt, mir läuft grade das Wasser im Mund zusammen, wenn ich nur daran denke.

Ribbeck, ein klein wenig Geschichte

Der Ort Ribbeck ist viel älter, als man gedacht hatte. Bei Ausgrabungen im Jahr 2010 fanden sich Reste eines Töpferofens und einen Befestigungsgraben, die belegen, das es den Ort bereit seit der jüngernen Steinzeit gibt. Der erste schriftliche Nachweis, der Familie von Ribbeck reicht auf das Jahre 1237 zurück.
Als Vorbild für Fontanes Gedicht diente die reale Person des Hans-Georg von Ribbeck, der von 1689-1759 gelebt hat. Dessen Geschichte bereits vor Fontane niedergeschrieben worden ist.
Hans – Georg von Ribbeck war freundlich zu den “Bauern und Büdnern” und verschenkte Mittags gerne Birnen an die Kinder des Dorfs. Er starb 1759 im hohen Alter und erbat angesichts seines knauserigen Sohnes listig eine Birne mit ins Grab.

Drei Jahre später wuchs aus der Gruft an der Kirche ein Birnbaum, der seine Früchte wieder den Kindern anbot….”So spendet Segen noch immer die Hand des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.”

Leider wurde der Birnenbaum am 20.02.1911 von einem Sturm umgeworfen und zerstört. Dessen Stumpf heute in der Dorfkirche von Ribbeck aufbewahrt wird. Inzwischen steht ein neuer Birnenbaum an der Stelle und erinnert an den Herrn von Ribbeck.

Familie von Ribbeck

Der letzte Herr von Ribbeck, Hans von Ribbeck galt als Feind Hitlers und wurde 1945 von den Nazis im Konzentrationslager Sachsenhausen umgebracht. 1947 flüchteten die restlichen Familienmitglieder in den Westen. Erst nach dem Ende der DDR kehrten Ute und Friedrich von Ribbeck zurück und leben seitdem wieder in Ribbeck.
Die alte Gutsbrennerei die Mitte des 19. Jahrhunderts von der Familie von Ribbeck erbaut worden ist, diente zur Produktion von Kartoffelschnaps.
Während der DDR-Zeit diente sie hauptsächlich als Getreidespeicher und verfiel Zusehens. 2001 kaufte die Familie von Ribbeck das Gebäude zurück und machten es sich zur Aufgabe in mühseliger Handarbeit, das Gebäude wieder in den Urzustand zu versetzen. Zum Schluss wurde das Dach neu eingedeckt und neue Holzfenster eingesetzt. Inzwischen erstrahlt die alte Gutsbrennerei in neuem Glanz.
Ein kleines Stück Geschichte ist mit Friedrich von Ribbeck nach Ribbeck zurückgekehrt und wenn er jetzt in der Alten Brennerei seinen Birnenessig produziert, hat es etwas anmutiges.

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