Teufelsberg, Historische Stätte trifft Street Art

Historische Stätte trifft Street Art

Nachdem Frank sich wieder einmal nicht entscheiden konnte, wohin wir denn als nächstes fahren sollten, programmierte ich das Navi und wir fuhren nach Berlin. Bis zuletzt hatte er keine Ahnung, was ihn erwarten würde.
Unten am Berg parkten wir unser Wohnmobil und begannen unseren Ausstieg auf einen der berühmt- berüchtigsten Berge Berlins.
Auf der halben Strecke stockte uns der Atem. Keine 10 Meter von uns entfernt standen zwei Wildschweine und schauten uns an. Direkt am Wegesrand, kein Zaun, nichts. Mir ist schon lange nicht mehr so stark die Pumpe gegangen. Was macht man in so einer Situation? Stehen bleiben? Weglaufen? Langsam weiter gehen? Wir entschieden uns für das letztere und das war gut so. Als uns ein paar Meter weiter Menschen entgegen kamen und wir sie warnen wollten, meinten die nur ganz trocken, auch das ist ganz normal hier, meistens passiert da nichts.

 

Für Euch wird es ein leichtes sein, den kleinen Hügel zu erreichen. Für uns zwei Invaliden fühlte es sich an, als wenn wir Jahre für die paar Meter gebraucht hätten. Aber es hat sich gelohnt.
Für 5 Euro Eintritt, haben wir ein absolutes Abenteuer bekommen.
Die Abhörstation auf dem Teufelsberg zu besuchen lohnt sich schon, aber das was der Verein „Initative Kultur-DENK-MAL Berliner Teufelsberg aus dem Gelände gemacht hat ist unbeschreiblich. Das muss man gesehen haben.
Einerseits sieht man die immer noch gut erhaltenen Kuppeln der Abhörstation und andereseits befindet man sich mitten in einer riesen großen Galerie.

Wir haben mehrere Stunden auf dem Areal verbracht und immer wieder neue Ecken und Winkel entdeckt.

Aber Bilder sagen mehr als tausend Worte.

 

Teufelsberg

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts befand sich hier noch eine flache Ebene aus Moor und Matschflächen.
1933 hatten Hitler und seine Gefolgsleute große Pläne für das Areal, es sollte eine große Hochschulstadt erbaut werden, mit einem riesigen Auditorium und einer neuen Universitätsklinik. Den Anfang machte eine Wehrtechnische Fakultät, allerdings schaffte sie es nie über einen Rohbau hinaus.
Endes des Weltkrieges wurde die Ruine teilweise abgerissen, der Rest mit Trümmern aufgefüllt und bedeckt.
Berlin lag in Schutt und Asche und irgendwo musste der Abfall ja hin. Praktisch wie die Berliner sind, entschloss man sich ein Naherholungsgebiet im Grunewald zu schaffen, mit Rodelpisten und Skianlage.
Bis 1972 wuchs der Berg immer weiter an, wurde immer wieder vererdet und bepflanzt, bis der heutige Teufelsberg seine unglaublich Höhe von 120,1 m erreichte.
In den späten 50er Jahren nutzten die Amerikaner den Teufelsberg als Spionage und Abhörzentrale. Auf dem Plateu errichteten sie eine „geheime“ militärische Anlage mit den berühmten 5 Antennenkuppeln. Die Field Station Berlin diente im Rahmen des Spionagenetzes Echelon zur Überwachung der Kommunikation im feindlichen östlichen Gebiet. Auch britische Aufklärungs- und Sicherheitsdienste nutzen die Anlage. Während am Südhang des Berges der Wein wuchs, aus dem das Wilmersdorfer Tröfchen gekeltert wurde.
Erst 1992 räumten die Amerikaner und Briten den Teufelsberg.

Seitdem wird der Berg wieder so genutzt, wie es sich die Erschaffer erträumt hatten. Der Teufelsberg gilt inzwischen als beliebtes Erholungsziel. Die Straßen werden von Skatern befahren, der Berg zum Drachen fliegen, die Wege zum Wandern und Mountainbiken. Teile des Berge können erklettert werden und im Winter natürlich zum rodeln.

Jahrelang wurde der Ort noch als Geheimtipp „Lost Places“ erkundet, bis es mehr und mehr den Erinnerungsjägern und dem Vandalismus zu Opfer fiel.
Es gab immer wieder Interessenten für das Gelände, aber denen standen extrem Hohe kosten und diverse Umweltschützer gegenüber, so das das Gelände immer mehr verfiel.

Künstler nutzten die Ruinen für Graffiti, während Wachpersonal versucht, sie vor Vandalismus zu schützen. Geholfen hat es wenig: Über die Jahre wurden die Gebäude zerstört und beklaut.

Seit dem 30.10.2018 steht die Abhörstation unter Denkmalschutz.

Der Teufelsberg wird inzwischen von dem Verein „Initative Kultur-DENK-MAL Berliner Teufelsberg betreut. Dieser wurde als Plattform für ehrenamtlich Engagierte in Kunst, Kultur, Natur und Geschichte gegründet. Die Vereinsmitglieder setzen sich dafür ein, das der Teufelsberg in seiner Gesamtheit unter Denkmalschutz gestellt wird und wollen den Teufelsberg zu einer modernen Austauschplattform und Denkfabrik für Kultur, Kunst, Geschichte, Technik, Natur und neue Wirtschaftsmodelle weiterentwickeln.

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